Auszug aus der WOCHEN-ZEITUNG FÜR DAS EMMENTAL UND ENTLEBUCH:

GROSSHÖCHSTETTEN: Filigrane Klanggemälde

26.11.2009 Im Konzertzyklus – kairos concerts – in der Kühltür Grosshöchstetten gaben drei international ausgezeichnete Musiker ein berührendes Konzert mit unbekannten Sonaten aus der Barockzeit.

Jürg Streit
Die Initiantin der Konzertreihe, die Violinistin Rebecca Aeschbach, trat diesmal mit Nils Wieboldt, Violoncello Piccolo und Francesco Corti Cembalo als Trio auf. Durch eine umgestaltete Aufstellung, bei der für das Publikum die Hälfte des Zuschauerraumes und die Bühne zur Verfügung standen, während die Musiker auf der «verkehrten» Seite spielten, wurde versucht, die schwierigen akustischen Verhältnisse zu verändern. Durch diese räumliche Annäherung von Zuhörern und Interpreten entstand eine intime, spannende Atmosphäre, die den ganzen Auftritt prägte.

Unbekannte barocke Kostbarkeiten
Alle drei Künstler beherrschen ihr Instrument so perfekt, dass andere Komponenten als das technische Können für eine Besprechung in den Vordergrund rücken: Domenico Poretti, Nicola Porpora, Francesco Zappa sind Komponisten aus dem italienischen Barock, die wohl die wenigsten Zuhörer gekannt haben dürften. Dass deren Sonaten abwechslungsreich, spannungsgeladen und klangvoll sind, wurde aufs Beste bewiesen. Das Trio zeigte eine überragende Musikalität, ein feines Einfühlungsvermögen und ein einheitliches Zusammenspiel.
Kein Zurücklehnen
Der berühmte Draht zum Publikum, der sich alle Künstler wünschen, musste gar nicht erst gesucht werden. Er entstand durch die Faszination, welche nicht zuletzt von den tiefer gestimmten, mit Darmsaiten versehenen Streichinstrumenten und dem original nachgebauten Cembalo aus dieser Epoche ausging. Bei den Zuhörern, von denen sich viele in den Bann des Gebotenen gezogen fühlten und sich mit den Musikern sozusagen zu identifizieren vermochten, war kein Zurücklehnen gefragt. Zu direkt, zu authentisch und zu perfekt kam die Musik an sie heran.
Musikalische Sternstunde
Neben den Sonaten der genannten Komponisten wurden je eine weitere von Giovanni Battista Pergolesi und Arcangelo Corelli, sowie ein Werk für Cembalo solo von Girolamo Frescobaldi gespielt.
Kairos concerts hat dem erfreulich zahlreichen Publikum eine musikalische Sternstunde geboten, wie sie nicht oft in so kleinem Rahmen vorkommen dürfte.